Michael Grampp, Leiter Entwicklung der Business Unit automation der esmo AG, hält einen Vortrag auf der AALE 2026 an der TH Rosenheim.
Michael Grampp von esmo automation spricht auf der AALE 2026 vor Fachpublikum über Software, Kommunikation und Unternehmenskultur.
Michael Grampp, esmo automation, während seiner Präsentation zu Software- und HMI-Konzepten auf der AALE 2026.
Michael Grampp erläutert anhand eines Tray-Stacker-Beispiels Automatisierungsprozesse auf der AALE 2026.
Prof. Dr. Ing. Martin Versen, Dekan der Fakultät für Ingenieurwissenschaften der TH Rosenheim, und Michael Grampp, esmo automation, auf der AALE 2026.

02.03.2026

esmo automation Keynote auf der AALE 2026 an der TH Rosenheim

Wie Software-Standards die Automatisierung – und die Unternehmenskultur – verändern können

Vom 25. bis 27. Februar 2026 fand an der Technischen Hochschule Rosenheim die 22. Konferenz für Angewandte Automatisierungstechnik in Lehre und Entwicklung (AALE) statt. Unter dem Leitthema „Mechatronische Systeme für die Automatisierung: Fortschritt durch Präzision und Flexibilität“ diskutierten Expertinnen und Experten aus Industrie und Wissenschaft, wie industrielle Wertschöpfungsprozesse künftig effizienter, flexibler und wettbewerbsfähiger gestaltet werden können.

Im Fokus der Konferenz standen dabei bewährte und neue Methoden zur Steigerung der Präzision von Automatisierungssystemen, zur Erhöhung ihrer Flexibilität sowie zur Verkürzung von Entwicklungszyklen – zentrale Faktoren für die Wettbewerbsfähigkeit des Standorts Deutschland.
 

„Nichts ist so hart wie Software“ – ein persönlicher Blick auf ein technisches Thema

Einen besonderen Impuls lieferte Michael Grampp, Leiter der Entwicklung der Business Unit automation der esmo AG. In seiner Keynote „Nichts ist so hart wie Software. Wie ein generischer, modularer und konfigurierbarer Standard die Unternehmenskultur verändern kann“ verknüpfte er seinen persönlichen beruflichen Werdegang mit grundlegenden Fragestellungen moderner Softwareentwicklung im Maschinenbau.

Ausgangspunkt seines Vortrags war eine scheinbar einfache, aber zentrale Frage:
Worum geht es bei Softwareentwicklung eigentlich wirklich?

Grampp beschrieb Software nicht als abstraktes Konstrukt, sondern als Zusammenspiel vieler kleiner Bausteine mit unterschiedlichen Aufgaben – geprägt von Erfahrung, Praxisbezug und dem Verständnis für die Bedürfnisse aller Beteiligten.
 

Zwischen Wahrheit, Wirklichkeit und Realität

Ein zentrales Thema des Vortrags waren die klassischen Verständnis-Hürden in Projekten: 
Wahrheit, Wirklichkeit und Realität.

Die Erkenntnis: Alle Beteiligten liegen ein Stück weit falsch – und gleichzeitig ein Stück weit richtig. Die Lösung liegt nicht im technischen Extrem, sondern in der Mitte. Erst wenn Menschen einander verstehen, kann die passende Technik entstehen.

Daraus leitete Grampp entscheidende Fragen ab:
Was will mein Gegenüber eigentlich?
Was ist der wahre Prozess hinter einer Aufgabe?
Was davon lässt sich sinnvoll automatisieren – und zu welchem Preis?

Diese Antworten, so Grampp, müssen immer wieder hinterfragt werden, da sich Prozesse, Anforderungen und Rahmenbedingungen kontinuierlich verändern.
 

Software als unsichtbarer, aber prägender Faktor

Grampp machte deutlich, warum Software im Maschinenbau eine besondere Rolle spielt:
Sie geht nicht „kaputt“, ist niemals vollständig fehlerfrei, bildet immer nur einen Teil der Realität ab und bleibt für viele unsichtbar. 
Genau deshalb wird sie häufig als Ursache für Probleme wahrgenommen – auch dann, wenn die eigentlichen Gründe in Kommunikation oder Prozessverständnis liegen.

Software sollte logisch sein, wirkt jedoch oft nicht logisch, weil ursprüngliche Annahmen, Absichten oder Anforderungen im Projektverlauf verloren gehen. Diese Erkenntnisse bildeten die Grundlage für den seit einigen Jahren verfolgten neuen Ansatz bei esmo automation.
 

esmo CORE: Ein HMI, das Rollen trennt und die Zusammenarbeit verbessert

Auf Basis dieser Voraussetzungen entwickelt die esmo automation mit dem esmo CORE eine Maschinensteuerung mit vollständig grafischer Benutzeroberfläche. Das Human Machine Interface (HMI) verzichtet konsequent auf Code-Anpassungen während Inbetriebnahme und Betrieb.

Alle Einstellungen erfolgen über das Frontend – mit klar definierten Rollen- und Berechtigungskonzepten.
Der Inbetriebnehmer kann alles konfigurieren, was für den Betrieb der Maschine erforderlich ist, ohne in den Code eingreifen zu müssen. Softwareentwickler konzentrieren sich auf stabile, modulare und skalierbare Architekturen.
 

Wenn Software die Kultur verändert

Das übergeordnete Ziel:
Jeder soll wieder das tun können, was er am besten kann.

Diese klare Trennung von Aufgaben verändert nicht nur technische Abläufe, sondern auch die Kommunikation – zwischen Konstruktion, Softwareentwicklung, Inbetriebnahme, Service und Kunden. Und wer die Kommunikation verändert, verändert langfristig auch die Unternehmenskultur.

Die positiven Effekte zeigen sich bereits heute: in Maschinen, die mit esmo CORE im Feld im Einsatz sind, ebenso wie in neuen Projekten, bei denen diese Prinzipien von Beginn an angewendet werden. Engineering, Abstimmung und Zusammenarbeit werden dadurch grundlegend neu gedacht.